Bund gegen Anpassung



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18.05.2004



»Körperwelten« – Hetze, Lügen und das Ende


Gehören Sie zu den Hunderttausenden begeisterten Besuchern der Frankfurter »Körperwelten«? Wenn ja, lassen Sie die freudig-befreienden Empfindungen dabei nicht im Alltagsstreß vergurgeln! Sie sind zu selten und – leider – sehr bedroht! Wenn nicht, nutzen Sie die letzte Gelegenheit, denn es wird dank kirchenstaatlicher Ränke und Hetze in Deutschland keine weitere mehr geben! Die nach Frankfurt geplante Station der Ausstellung in Leipzig wurde gestrichen, zynisch kommentiert die Presse diesen Triumph des deutschen Kirchenstaates: »Der 'Wanderzirkus' macht sich aus Europa davon, um in Amerika sein Glück zu versuchen.«

Es war von Anfang an knapp. Schon im Vorfeld der Eröffnung der ersten deutschen Ausstellung vor nunmehr sieben Jahren in Mannheim versuchten die Dunkelmänner der katholischen und evangelischen Kirche vor Ort, die Körperwelten-Ausstellung zu verhindern. In einem gemeinschaftlichen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes und den Oberbürgermeister Mannheims – der Brief war nur sehr schwer und über Umwege zu bekommen und erblickte ausschließlich über unsere Flugblätter und sehr zum Ärger der Kirchenmänner das Licht der Öffentlichkeit – forderten die Dekane beider Großkirchen unter Berufung auf »den Verfall sittlicher Werte« und die »grobe Mißachtung der menschlichen Würde« offen das Verbot der Ausstellung. Die Presse sekundierte in demonstrativ-parteilicher Weise, die Ausstellung komme einer »Verletzung des religiösen Empfindens« gleich, ein Vorwurf, der unter der Soutane unverhohlen mit dem »Gotteslästerungsparagraphen«, dem §166 StGB (It still exists in Germany!) drohte.

Und die Besucher strömten doch! Und sie strömten und strömten (in Deutschland inzwischen mehrere Millionen, weltweit über 14!), trotz Kirche und trotz Presse und trotz verordneter Warnschilder und Handzettel, die am Eingang mit beschworener »Verletzung des moralischen und religiösen Empfindens« einschüchtern sollten. Und nur wegen dieses Besucheransturms fraßen die Dunkelmänner Kreide und heuchelten, alles sei nicht so gemeint gewesen. Den Inquisitoren – die gleichen, die seinerzeit den Begründer der neuzeitlichen Anatomie, Andreas Vesalius, in ihren Folterkellern marterten, anschließend durch die Straßen Madrids schleiften und schließlich auf der als Strafe für seine anatomischen Forschungen verhängten »Pilgerreise« in den Tod hetzten – war die Fackel kurzzeitig aus der Hand geschlagen worden, mit im nachhinein geheuchelter »Einsicht« oder gar »Einigkeit« hatte das nichts zu tun.
     Sie harrten in ihren Löchern und witterten in Frankfurt ihre nächste Chance, ihre Vorgehensweise war der Mannheimer strukturell identisch. In der Hoffnung auf inzwischen erlahmtes öffentliches Interesse schickten sie in bewährter Manier – auch die mittelalterliche Inquisition bediente sich zur Durchsetzung ihrer finsteren Interessen stets und gern des weltlichen Arms – den staatlichen, diesmal gleich den staatsanwaltlichen Arm vor (den Anschuldigungen – Störung der Totenruhe, Leichenraub etc. – fehlt nicht viel zu den mittelalterlichen Legenden von Ritualmord und Brunnenvergiftung). Die Presse geiferte auftragsgemäß und stieß ins gleiche Horn, ein Pfaffe nach dem anderen breitete sich in den Medien aus, obszön und bezeichnend, wenn man bedenkt, daß aus diesem stinkenden Pfuhl die Verfolger Galileis und Giordano Brunos hervorgekrochen waren. Mit der suggestiven Frage: »Darf die Ausstellung Körperwelten weiterhin gezeigt werden?« wurden z.B. massenweise Faxe u.a. an Arztpraxen verschickt, um unter dem Vorwand der Meinungsumfrage den Zensurforderungen einen entsprechenden Nachdruck aus dem Volke zu verleihen – auf Heller und Cent bezahlen muß für derartige Aktionen das gleiche Volk mit seinen Steuergeldern! Aber alle staatsanwaltlichen Ermittlungen mußten mangels entlegenster Beweise eingestellt werden, hierüber war allerdings in der Presse nichts oder erst nach Wochen an hinterletzter Stelle zu lesen. Die Pfaffen wurden – wie in Mannheim – leiser, die Presse (die nichts mehr fürchtet, als daß der Glaube an ihre Unparteilichkeit verloren gehen könnte) gab sich moderater. Der Grund?:

Die Besucher strömten und strömen weiter... Nur im Dunkeln ist gut munkeln, alle Finsterlinge scheuen das Licht der Öffentlichkeit, die in diesem Fall ihrer Neugier nachgab und sich nicht von der geballten Hetze einschüchtern, sondern von den ansprechenden und beeindruckenden Plastinaten faszinieren ließ. Die hiesige Öffentlichkeit alleine hätte allerdings nicht ausgereicht. Hinzu kommt die internationale Aufmerksamkeit, die Gunther von Hagens weltweit genießt. Denn während er in Deutschland verhetzt und verbellt wird und ihm ein Fachkollege nach dem anderen in den Rücken fällt und ans Bein pißt, genießt er z.B. in China nicht nur uneingeschränkte Forschungsmöglichkeiten (Freiheit der Forschung und Lehre, nicht wahr!), sondern wird auch finanziell großzügig unterstützt. Im Kirchenstaat Deutschland hingegen wurde aufgrund der Schikanen und Kriminalisierung erreicht, daß die Körperwelten-Ausstellung Deutschland auf immer verläßt. Eine Schande für dieses Land, ebenso wie das immer noch existierende Hitler-Konkordat, welches nach wie vor die entscheidende Grundlage für die Anmaßung der Großkirchen und die Dienerei der buckelnden Staatsbüttel darstellt.


Wir fordern unverändert:
WEG MIT DEM HITLERKONKORDAT,
WEG MIT ADENAUERS SUBSIDIARITÄTSGESETZEN!

NIEDER MIT DEM KIRCHENSTAAT GROßWESTDEUTSCHLAND,
FÜR DIE WIEDERBEACHTUNG DES GRUNDGESETZES,
VOR ALLEM DER RELIGIONSFREIHEIT!

KEINEN CENT FÜR DIE KETZERMÖRDER DES MITTELALTERS,
KEINEN CENT FÜR DIE VERFOLGER VON VESALIUS
UND DEN ANSCHWÄRZERN VON HAGENS!

Was kann der einzelne sofort tun?
Kirchenaustritt jetzt (auf jedem Rathaus – nicht zögern; etwa 50% sind schon draußen!)

Was kann der einzelne darüber hinaus tun?
Die Hetze und Lüge durchschauen!

Deshalb:

Ketzerbriefe 77

Ketzerbriefe 77
3. erweiterte Auflage, Sonderheft Kritische Medizin (VIII)
109 S., 19 Abb., davon 10 farbig,
13 Faks., EUR 9.- / sFr 17.-,
ISBN 3-89484-218-0 /
ISSN 0930-0503
Ketzerbriefe 81

Ketzerbriefe 81
Sonderheft Naturwissenschaft (III)
72 S., 9 Abb., 4 Faks., EUR 4.50 / sFr 9.-
ISBN 3-89484-220-2 /
ISSN 0930-0503
System ubw 1/98

System ubw 1/98
105 S., 7 Abb., davon 5 in Farbe,
EUR 7.50 / sFr 13.50
ISBN 3-89484-701-8 /
ISSN 0724-7923
Bestellen bei: AHRIMAN-Verlag (www.ahriman.com)




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Spendenkonto: Postgiroamt Karlsruhe, BLZ 660 100 75, Konto 186 435-758 (Bunte Liste; bitte ohne weitere Zusätze)

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