Bund gegen Anpassung



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31.01.2004



Wer hat uns verraten... –
Ein kleines Lehrstück zur Meinungsfreiheit


»Der Bund gegen Anpassung – Rotes Forum – versucht, an Leipzigs Uni Fuß zu fassen. Er steht äußerst weit links und tritt aggressiv auf« – mit diesem Zitat der schon in der Überschrift als »Sekten-Gegnerin« vorgestellten Leipziger Lokalinquisitorin Solveig Prass (auftretend unter dem Mäntelchen einer sogenannten Eltern- und Betroffenen-Initiative), die sich, wie es dann munkelnd-vielsagend heißt, in Leipzig um »Sektenopfer« kümmere, endet ein gestern erschienener Artikel der Leipziger Volkszeitung über eine Leipziger Veranstaltung über Rosa Luxemburg vom vergangenen Mittwoch.

Was war geschehen, das die örtliche Monopolpresse ebenso bösartig wie rasant die so oft erprobte Sektenkeule gegen uns ziehen ließ?

Besagter Abend zu Rosa Luxemburg in der Reihe mit dem beschaulichen Titel »Geschichte im Ost-West-Dialog«, ausdrücklich aber verlogen angekündigt als eine live im Deutschlandfunk übertragene Diskussionsveranstaltung mit Publikumsbeteiligung, sollte statt dessen, wie in solchen Fällen üblich, als bis ins Detail durchgeplante (»jetzt wollen wir bitte im Manuskript fortfahren« – so immer wieder die Moderatorin) Geschichtsfälschung mit verteilten Rollen verlaufen: am Gängelband dieser sanftstimmigen, aber ebenso bösartigen wie frechen Moderatorin, die durchaus auch ihren »offiziellen Gesprächspartnern« bei jeder ihr nicht passenden Äußerung ins Wort fiel, durften sich eine abgewickelte DDR-Professorin und ein westdeutscher Schriftsteller zu Rosa Luxemburg und zu allerlei vorgestanzten Fragen äußern, wie der, warum Bürgerrechtler in der DDR, die sich auf Luxemburg berufen hätten, denn so furchtbar verfolgt worden seien, oder ob ein gemeinsames Luxemburg-Denkmal von PDS und SPD denkbar wäre usw., usw. ...

Dann allerdings geschah das heute so Seltene und noch viel, viel seltener Erfolgreiche: Das Publikum forderte die ihm versprochene Beteiligung ein, und zwar nicht hinterher im stillen Kämmerlein als Feigenblatt für die sonst eiserne Zensur, sondern während der Sendung – in Gestalt einer unserer Vertreterinnen, der es gelang, gegen den wütenden Widerstand der Moderatorin die Zulassung einer Zwischenfrage mit Mikrophon zu erzwingen – schließlich stand der Abend unter Rosa Luxemburgs Motto »Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden«, und dabei hätte die allzu scharfe Zensur bei laufender Sendung doch zu unschön ausgesehen.

Und siehe da: Ihr einziger Satz genügte (so empfindlich ist das Lügenimperium!), um frischen Wind in dieses vorher so dumpf-verlogene Schmierenstück, die Moderatorin sichtlich aus der Fassung und einen Tag später die Ortsinquisitorin auf den Plan und in die Presse gegen uns zu bringen: Der nämlich, daß die SPD unmittelbar für die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts verantwortlich ist, auf deren Kopf sie nach Zeugenaussagen ein Kopfgeld von 100.000,- Mark ausgesetzt hatte, und daß die SPD durch die Niederschlagung der Novemberrevolution und Förderung der Konterrevolution Hitler und den deutschen Faschismus überhaupt erst ermöglicht hat. Jetzt, wo wir etwas mehr Zeit haben, weil keine Moderatorengewalt dazwischenfunkt, fügen wir noch einen weiteren Satz hinzu: Die SPD war der Steigbügelhalter des Faschismus und deshalb noch verächtlicher und verkommener als dieser (der aus seinen finsteren Absichten ja nie einen Hehl gemacht hat) – das und nur das ist die Substanz der Sozialdemokratie und ihre »historische Mission«. Dieser Satz ist absolut richtig, von Wilhelm II. bis Bush junior.

Damit war der alleinige Zweck der Veranstaltung, die historische Wahrheit zu zerquasseln und umzulügen und vor allem, die Täter dieses welthistorisch so entscheidenden Verbrechens reinzuwaschen, zerplatzt wie eine Seifenblase; die propagandistischen Mundstücke dieser Täter, deren Hände keineswegs nur vom Blut Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts auf ewig dreckig sind, sondern von Kriegskrediten, zehntausend Berufsverboten bis zur heutigen Massenverelendung, hatten eine kleine, aber unangenehme Niederlage erlitten.

Die Tatsachen zum Thema des Abends selbst kann man in allen Einzelheiten ausgezeichnet in dem unten empfohlenen Buch nachlesen. Die Losung der kämpferischen Arbeiterbewegung, die sich so wohltuend vom gewöhnlich denkfaulen und wehleidigen Glotzenhockertum der Gegenwart unterscheidet, ist so aktuell wie bei Liebknechts und Luxemburgs Ermordung:

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

Wir fügen hinzu:
SPD – nie wieder! Deshalb mit ihr nieder!

Verstehen sollte man aber vor allem: Die Lüge verfügt über die Gewalt und die Medien, die Wahrheit muß mit Anstrengung und Geschick erkämpft werden – darunter geht es nicht!

Wer uns sucht, wird uns finden!


Richard Wiegand
»Wer hat uns verraten...«
Die Sozialdemokratie in der Novemberrevolution

Mit einem Vorwort von F. E. Hoevels und
einem ergänzenden Anhang von Stephan Kindynos:

Nach dem z. Weltkrieg: Mord und Verrat feiern fröhliche Urständ
SPD und Gestapo – das bestverschwiegene
Geheimnis deutscher Parteiengeschichte
Mit erstmals veröffentlichten Dokumenten

322 S. mit 43 Originalphotos, 143 Faks.
mit Personenregister – € 19,-

AHRIMAN-Verlag, Freiburg
www.ahriman.com
ISBN 3-89484-812-X



V.i.S.d.P.: Bund gegen Anpassung, C. Müller, Postfach 254, 79002 Freiburg

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