Bund gegen Anpassung



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26.04.2002


Eine Nachlese zur Ausstellung

»NACKT«


Seit geraumer Zeit wurde diese Ausstellung von den Monopolmedien (›Stern‹, allen großen Zeitungen der BRD) hochgejubelt und schmackhaft gemacht. Tenor dabei ist, in der Öffentlichkeit nackt zu sein, sei ja sooooo selbstverständlich, soooo gefahrlos, sooo langweilig und alltäglich, ja, man könne der Darstellung von nackten Personen schon gar nicht mehr entrinnen – oder am Ende echten Personen selbst?!? – so schwer entrinnen also, daß das schon richtig schlimm sei, ja, richtig schlimm.

Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, wo die Ostseebäder, an denen ganz allgemein und gewohnheitsmäßig seit Jahrzehnten nackt gebadet wurde, ohne daß man es mußte, eins nach dem anderen versaut und verspießert werden, wo ein Baggersee nach dem anderen von unserer Bürokratie listig und teuer unter allerhand Vorwänden unzugänglich gemacht wird, damit die von Arbeitsstreß oder Arbeitslosigkeit geschundene Bevölkerung nicht in ihrer Freizeit, die sie dann bei gutem eigenem Aussehen und Wetter recht gerne und experimentierfreudig nackt verbringen will und könnte, ein Freiheitsgefühl, eine Gutartigkeit und einen Mangel an Leidenswillen entwickelt, den sie um Himmels willen nicht an den Arbeitsplatz zurücktragen darf; und wo, sehr im Gegensatz zu der reicheren und besseren Zeit vor dreißig Jahren, niemals ein attraktiver Mensch auf irgend einer Werbung nackt zu sehen ist – jede weibliche Brustwarze fiele in Windeseile pogromgeilen Kreischerinnen zum Opfer, die den Staat hinter sich fühlen – oder die Körperhaltung ist so »geschickt« und prüde verdreht, daß ja kein »unanständiges« Körperteilchen zu sehen ist. Auf dieser Muffel- und Heuchel-Grundlage läßt sich dann, wie immer, herrlich kokettieren.

Das ist die Lage, in der die Hamburger Ausstellung

»NACKT«

den letzten Deckel auf das letzte bißchen persönliche Lebensgefühl knallen und den Holzhammer auf das letzte bißchen freie Atmen hauen soll.

Wie macht sie das?
Ganz einfach: neben ganz wenige schöne Bilder, vorzugsweise des 19. Jahrhunderts, damit sich niemand an die bessere Zeit vor 30 Jahren erinnert, auf denen attraktive Menschen nackt zu sehen sind, werden ungeheure Mengen Bilder bzw. Photos gehängt, auf denen kranke, alte, verstümmelte und häßliche Menschen nackt zu sehen sind – die Psychologen nennen sowas »Kontingenz« (Tier- und Menschenversuche zeigen, daß sie immer klappt – hat man zwei eindrucksvolle Bilder gleichzeitig oder nebeneinander gesehen, kann man nicht mehr an das eine denken, ohne daß das andere auftaucht – nicht an einen Bären oder einen Brustkrebs denken, bitte!). Dazu kommt dann jede Menge anrüchiger oder obszöner, auf jeden Fall aber sexuell eher zwielichtiger bis deutlich niederdrückender Bilder, und die wenigen angenehmen und schönen, die man ja schließlich auch noch zeigen muß, damit die Kontingenz einrasten kann, um die alleine es den Bürokraten im Hintergrund geht, werden aus alter bis uralter Zeit genommen, damit die Idee der sexuellen Unbeschwertheit und durch keinen Dreck vergällten Anziehungskraft so richtig »verstaubt«, »bildungsbürgerlich« und so recht als Auslöser für kicherig-dumme Gleichgeschaltete wirkt – Narben, Falten, Geschwüre und Erniedrigungen sind ja doch soooo schick, soooo modern, und auch noch sooo intellektuell! (Denn über das Ganze wird per Begleitprogramm und Katalog auch noch ein verdreht intellektuelles Gewichse ausgegossen, daß es einem im Hirn noch schnattert!)   Das ist also der ganze Trick – aber er ist lange und bis ins Feinste ausgeklügelt, irgendwo müssen unsere Steuern und (indirekt) Sozialabgaben ja hin (es wäre doch zu schade drum, sie einfach für Rentner, Arbeitslose und Kranke zu vergeuden, nur weil sie sie vorher einbezahlt haben – das gilt natürlich auch für teurere Dinge als ein paar Ausstellungsbürokraten, aber man darf ja schon mal deren Gehälter mit der »Arbeitslosenhilfe« vergleichen . . . ). Aber die paar Organisatoren handeln keineswegs auf eigene Faust, das zeigt nicht nur die ausgeklügelte Gleichzeitigkeit mit ähnlichen Ausstellungen in Deutschland und den USA plus der entsprechenden, die Überregionalität durchaus herausstreichenden ganzseitigen Pressereklame für sie, sondern auch die entsprechende Verfilzung genau dieser alles entscheidenden Presse, ohne welche die Ausstellung sehr viel weniger Besucher gehabt hätte, mit der Regierung (man beachte einmal z.B. das seit Jahrzehnten wie geölt laufende Personenpingpong zwischen eben jener Regierung und ihren Vorläufern mit dem ›Stern‹). Man darf sicher sein: hinter den Kulissen war was los, auch hier ist nichts dem Zufall überlassen, egal, was die Lehrer und die Durchführenden selber dazu sagen.


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