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Denn auch das bißchen private Annehmlichkeit, das unverkrampfte und unversteckte Nacktheit in der Freizeit bedeutet, wurde
dem Volk niemals geschenkt oder freiwillig gegeben – es soll ja nie auf den Geschmack am guten Leben kommen. Darum hat es sich
dieses Recht (oder leider bis heute nur: diese praktische Möglichkeit) immer nur dann ertrotzt, wenn seine Oberen aus irgendeinem
Grunde schwach und durcheinander waren, erstmals nach dem Sturz der Kaiserreiche (d.h. dem 1.Weltkrieg), als es schwierig war, die
ausgebrochenen Schafe wieder in die dann letztlich doch gerettete alte Hürde zurückzutreiben und private Nebenfronten erst einmal
vernachlässigt werden mußten; das und nichts anderes erklärt die vielen expressionistischen Bilder von den damaligen (»Weimarer«)
Baggerseen (und Naturseen, vor allem in der Umgebung Berlins); sie waren einfach leicht stilisierte Abbildungen der Wirklichkeit,
nicht – wie im »bildungsbürgerlichen« 19. Jahrhundert – bloße Künstlerphantasien. Von diesen Bildern bekamen Sie daher in der teuren
Ausstellung
»NACKT«
kein einziges zu sehen. (Obwohl sogar für einen – zum Thema etwas abwegigeren – falschen Michelangelo die Mühe nicht zu groß war).
Erst Hitler konnte die demokratietypische »Baggerseefreiheit« zerstören – und es war ihm ein Anliegen von sehr hoher Priorität,
genauso wie Jahrzehnte später seinem Gesinnungsgenossen und politischen Zwilling Pinochet (der sich schon in den ersten 48 Stunden
seiner Diktatur, als seine Erschießungskommandos ca. 1 % der chilenischen Bevölkerung ausradierten, was immerhin Arbeit macht,
persönlich um die Vernichtung der Nacktbadestrände bei Santiago de Chile kümmerte. Historisch authentische Faschisten und die
Kirche wissen eben immer, was sie wollen – nur das Volk ist meistens so schrecklich blöd!).
Blutrünstig war die SED freilich nicht, aber auch nicht so demokratisch, wie sie und viele andere mit unterschiedlichem Tarnanstrich bis heute da und dort behaupten – sie war schikanös, unselbständig und vor allem schwach – ; denn erstens hatte sie als blasser Schatten einer durch Stalins und seines deutschen Vertrauten Herbert Wehners blutige Mühlen gedrehten, von Hitler vordezimierten Rest-KPD keine eigene Kraft mehr, zweitens konnte sie nicht auf eine Jahrtausende lang kontinuierliche weihrauchmuffelnde und orgeltönende Behämmerung ihrer Untertanen zurückgreifen (auf ihre Herrschaft waren sie nicht dressiert), und drittens hing sie von einer sturen, mit törichter Selbstgefälligkeit und Brutalität regierten, vor allem aber armen und industriell rückständigen Besatzungsmacht ab. Aus genau dieser Schwäche heraus konnte sie sich eine zusätzliche private Front gegen ihre auf ein wenig Lebensgefühl Wert legenden Bürger nicht auch noch leisten, obwohl sie von deren Eroberung der Ostseestrände keineswegs begeistert war – aber hätte sie hier auch noch durchgegriffen, so hätte sie fast alle ihrer kritischen bis sehr kritischen, auf jeden Fall aber nicht a priori und aus finsteren Gründen (Hitler, Papst u.ä.) feindseligen Sympathisanten verloren. So wurde zum zweiten Mal die wichtige Freiheit zum Nacktsein im Freizeitbereich erkämpft, und gegen die knurrende, aber durch die Umstände gebundene SED entstanden Bilder wie dieses:
Dieses Bild bekamen Sie in der Ausstellung
»NACKT«
natürlich auch nicht zu sehen, genausowenig wie ähnliche Schlüsselbilder zum Thema. Man bedenke, daß es am Anfang einer
Entwicklung stand, die in der DDR zu einer gefestigten echten Entscheidungsfreiheit führte, ob man in den »angenehmen« Bereichen des
Lebens wie Freizeitstränden Kleider tragen wollte oder nicht, und das zu einer Zeit, wo die Sexualschergen Adenauers jede Brustwarze
jagten, das Leben Hunderttausender Jugendlicher zerstörten und Homosexuelle auf Hitlers Spuren in Gefängnis und Selbstmord trieben,
während die offen bluttriefende Polizei von Hitlers und des Papstes Retortenbaby Franco – zum Zeitpunkt obigen Photos – sogar zur
Hatz auf gewöhnliche Bikinis ansetzte. Man sieht eben immer, was und wer wohin gehört, und da sind historische Bilder oft hilfreich.
Die Ausstellungsleitung hatte gewiß große Mühe, sie zu umgehen.
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