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Denn der dritte Schub in unserem Thema – der Freiheit, Kleider zu tragen, wann und wo man will oder nicht will – kam im Rahmen der gleichen Konstellation auf, die auch die (freilich mißglückte) Studentenrevolte zur Folge hatte: die Verbrauchtheit der nach dem 2. Weltkrieg Westeuropa aufgezwungenen Klerikalregimes und das atomare Patt zwischen USA und SU – wenn sich zwei streiten, freut sich der dritte und kriegt Luft (was man z.B. am gleichzeitigen Vietnamkrieg sehen konnte, der für die Invasoren anders verlief als für eine heutige »Friedenstruppe«). Also gab es auch und zum dritten Mal im privaten Bereich ein Aufatmen und ein Kettensprengen, dem die kontinuierlichen Machthaber, diesmal auf der US-Seite, zunächst fassungslos und verstört zusahen. Aus dieser Zeit liegen zahllose charakteristische und vielsagend schöne Bilder vor, vor allem aus der damaligen Werbung und den ›Stern‹-Titelbildern, gegen welche Alice Schwarzer mit Medienunterstützung so geifernd zu Felde zog (ob sie beim Betrachten eines Adenauer- oder Franco-Portraits heimlich doch einen Orgasmus bekommt? – wir fragen ja nur). Der ›Stern‹ wehrte sich – mit seinen doch sehr beträchtlichen Mitteln – kein bißchen gegen die Kampagne; er hatte mit dem Strom schwimmen müssen, als dieser stark war, um nicht, noch war die Monopolisierung noch nicht vollendet, Marktanteile und vor allem Einfluß – der wiederum den Gewinn durch die Anzeigenpreise sichert, welche nur die einflußreichste Zeitschrift am höchsten halten kann – an andere, z.B. das damalige ›konkret‹, abgeben zu müssen. Jetzt war die Gefahr vorbei, uff! (Denn die erstmals einsetzende Arbeitslosigkeit begann, auf Lebensgefühl und Freiheit zu drücken.)

Nun, diese Bilder, die wichtigsten von allen, sahen Sie in der wohldurchdachten Ausstellung

»NACKT«


natürlich nicht. Wir rufen hier ein paar wenige typische in Erinnerung.

     Heinrich Dry Gin     Englischer Garten     Jalousien


  Ja, die kommen aus einer besseren Zeit – hinsichtlich Freiheit, Geld, Gesundheit und sogar Geist – , und daher haben sie in dieser Ausstellung nichts verloren; sie will uns diese Dinge ja grade madig machen, ohne es zuzugeben.
  Am wichtigsten sind diese Bilder der dritten Runde deshalb, weil sie an die Zeit erinnern, aus der trotz allen Verfalls noch immer ein paar private Freiheiten erhalten geblieben sind, die unsere Zeit immer noch von dem vielgepriesenen Islam unterscheiden (oh, wie pries z.B. ›Geo‹ noch ein paar Monate vor dem erzwungenen Schwenk die lieben Taliban [Nr. 11/97], wie warben unsere Medien noch kurz vorher mit einheitlich triefenden Hundeaugen für »Fairständnis« auch der scheußlichsten Barbareien wie Kunstvernichtung und Zwangsverschleierung für Frauen ebendort!) – oder nun einmal von der ihm sehr ähnlichen, noch gar nicht so lange vergangenen Adenauerei und ähnlich freudlosen Finsternissen. Um den Großangriff auf diese gedankenlos, aber verhältnismäßig zäh überlebenden privaten Freiheiten einzuleiten, wurde diese Ausstellung

»NACKT«

mit all ihren Parallelunternehmungen organisiert. –

Nun könnte wieder mal jemand sagen, wir sähen das falsch – oder »einseitig« – oder, Lieblingsgeschwätz aller Realitätsleugner, wir »übertreiben« (komisch, daß wir dann in den letzten 30 Jahren mit nahezu allen unseren Vorhersagen – einschließlich der des Untergang des Ostblocks 5 Jahre vor dem Ereignis aufs Jahr genau – permanent recht hatten, als alle anderen noch alle alles abstritten! [Schwarz auf weiß nachzulesen in der Dokumentensammlung ›30 Jahre Ketzer‹, Hg. F.E. Hoevels]).
  Aber bitte, wenn wir unrecht haben, das läßt sich überprüfen. Ton bis Gequengel aller Zeitungen zum Thema sowie der Ausstellung

»NACKT«

ist ja, nichts sei so selbstverständlich, so unsensationell, so toleranzgesichert, wie Nacktsein in der Öffentlichkeit.


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