Bund gegen Anpassung
13.08.2004
Wer seinen »Protest« gegen staatlichen Lohnraub
und gelenkte Verelendung von den Tätern organisieren läßt,
darf über den Sozialabbau nicht greinen!
Wer keine größere Sorge hat, als »Nazis raus!« statt »Weg mit Schröders Raubstaat!« zu schreien, für den ist nun einmal die größte Sorge, ein braver Untertan zu sein und nicht, irgendein freches »Hartz« zu verhindern (oder auch nur zu erschweren). Nun, die Sorge wird dann auch erfüllt: er oder sie gilt auch weiterhin (zu seiner Erleichterung?) als braver Untertan und kriegt von seiner feixenden Regierung (die sich zu Recht in Sicherheit und unangefochten fühlt, ihre weißen Onkel Toms jedoch mit Grund verachtet) den nächsten Hartz-Stiefel ins Gesicht gepflanzt, und Presse und Glotze spielen die »Werdet-Sklaven,-das-schafft-Arbeitsplätze«-Melodie dazu.
Geschieht Euch recht. Ihr könnt nicht zugleich als brave Untertanen gelten und die leibeigenentypische Behandlung vermeiden. Niemand kann den Pelz waschen, ohne ihn naßzu machen, niemand die Regierung stürzen oder zu etwas – Tun oder Unterlassen – zwingen, ohne sich mit allen ihren Feinden zu verbünden. Wem eine lupenrein regierungsgenehme Demonstration wichtiger ist als eine wirkungsvolle, wird sich über eine wirkungslose nicht beklagen dürfen; das wäre wirklich unanständig. (Obwohl sie eine Wirkung doch hat: als dummes, knechtsbraves Stimmvieh werdet Ihr von denen, für die Ihr in der Wahlkabine mit Eurem Bleistift geblökt habt, von Herzen verachtet. Die NPD, was immer gegen sie vorliegt, wird es nicht.)
Natürlich, eine (echte! – unter KPD geht´s nicht) linke Opposition gegen die EU-Regierungen wäre uns lieber als eine rechte; deshalb versuchen wir ja auch, sie aufzubauen. Aber das geht nur, wenn Meinungsfreiheit herrscht; im Untergrund läßt sich schlecht öffentlich diskutieren, das genau war der Vorteil der Weimarer Republik vor dem Hitlerreich, der BRD in der Epoche vor Brandts Berufsverboten im Vergleich zu dem kosmetisch-fernsehgerecht überschminkten Totalitarismus hinterher: am Pro-US-Parteienkartell als Regierungsmonopol wird in der BRD mit aller Gewalt, Propaganda und Wahlbehinderung, neuerdings vielleicht sogar Wahlfälschung verbissener und eiserner festgehalten als an der »führenden Rolle der SED« und ihrer Blockparteien in der wegen Schwächlichkeit (und militärischer Unterlegenheit der Sowjetunion) untergegangenen DDR, in der es wegen Mißwirtschaft mancherlei nicht zu kaufen gab, aber nicht deshalb, weil der Staat auf einmal seine Soldaten für die Herrschaft der Amerikaner in Afghanistan oder dem zermetzelten Irak bezahlen mußte. (Wo sind eigentlich dessen Wunderwaffen, die als Rechtfertigung herhalten mußten, Bushs breitgetretener irakischer »Sender Gleiwitz«?! Und glaubt noch jemand wirklich an islamische Terroristen ohne US-pakistanische Fernsteuerung beim WTC-Attentat in New York oder auf dem Hauptbahnhof Madrid, ausgerechnet als Spanien seine Verbrechertruppen aus dem besetzten Irak zurückziehen wollte?! – Das alles hat mit »Hartz« nichts zu tun!, mag eine Schlafmütze nölen. – Doch, es hat damit zu tun, sehr viel sogar.)
Da alle Welt unter den US-Militärstiefel geraten ist (nur die indischen und chinesischen Kaninchen starren noch auf die Schlange), sind die Lohnabhängigen bzw. Besitzlosen aller Länder auch mit keinem nationalen (deutschen, französischen, bald auch japanischen, koreanischen usw.) Kapital mehr konfrontiert, sondern entweder mit US-amerikanischem oder einer US-amerikanischen »Beteiligung«, daneben haufenweise direkten US-Gewaltakten gegen das verbliebene Nicht-US-Kapital (z.B. Milliardenraub an Nicht-US-Konzernen durch US-»Gerichte«, erpreßte, ungleiche Handelsbedingungen – Stichwort FDA-Norm beispielsweise, die extrem parteilich Nicht-US-Chemiekonzerne ruiniert und ruinieren soll – usw. usf.). Es sind die gleichen Verhältnisse, die sich in den europäischen Kolonien des 19. Jahrhunderts im Bezug zu den »Mutterländern« gebildet hatten, wovon sich die kolonisierten auch nie mehr erholt haben – nur, daß wir Europäer, Türken, Asiaten usw. der Gegenwart nur noch ein einziges »Mutterland« haben und dieses Atomwaffen (gegen die wir jetzt so wehrlos sind wie weiland die Kongoneger gegen die Schußwaffen der Weißen, und das wußten diese, und das wissen wir).
Das ist der eine Grund (der andere ist das sehr erbärmliche Ende der Sowjetunion), warum eine ernste (also nicht von vornherein von Knechtssinn verknotete) Opposition die Form eines »nationalen Bündnisses« annimmt; wir können das mit Hysterie oder Gelassenheit, Besserwissertum oder Verleugnung aufnehmen, aber nicht ändern. Und jede Opposition ist das kleinere Übel gegenüber keiner Opposition (auch im Auftrag der Machthaber gefälschte Opposition – »weiße« Gewerkschaften im 19. Jahrhundert, National»sozialisten« [das wäre heute etwa der »Schwarze Block« oder »Attac«] in der Weimarer Republik oder eine lafontainisch umlackierte »neue« SPD in den nächsten Jahren – ist keine Opposition. Solange Ihr Euch von solchen Retortenbabys der Machthaber die Demonstrationen anführen und hinterher im Redemonopol zumüllen und zuquasseln laßt, habt Ihr keine Chance und werdet nur verachtet – wie schon bei den die Opfer verhöhnenden und verleumdenden Demonstrationen »gegen« die blutig-militärische Kolonisierung Serbiens und des Iraks). Hier kann die uralte und so oft idiotische Argumentation vom »kleineren Übel« endlich einmal für Zurechnungsfähige Nutzen bringen: wenn es auch nur eine Rechtsopposition gibt, ist diese doch das kleinere Übel gegenüber einer gefälschten bzw. einem Monopol von Block- oder Kartellparteien. Denn ihr Wachstum fördert die zertretene Meinungsfreiheit, und in dieser kann auch eine Linksopposition wieder entstehen, die durch die Öffentlichkeit der Diskussion – weder Raumverbote noch staatsgestützte Schreiergewalt – dann rasch von ihren wie Pilze aus dem morschen Holz sprießenden Fälschungen zu unterscheiden wäre. Freilich muß auch die echteste Linksopposition an der Einsicht ohne Wenn und Aber festhalten, daß unter den Bedingungen des Imperialismus (mit nur einer einzigen kolonienhaltenden Nation!) ein »Klassenkampf in einem Land« ein so kindisches Sandkastenspiel wäre wie eine entsprechende Unternehmung in einer indischen oder vietnamesischen Textilfabrik vor englischen oder französischen Maschinengewehren zur Zeit Gandhis oder Ho Tschi Minhs. Die KPD trug diesem Tatbestand durch ihren (echten statt »Hungerkinder-taufenden«) Internationalismus Rechnung, eine nach Erkämpfung der Meinungsfreiheit – und die kann es nicht abgepackt geben, das wußte schon Voltaire, sie gilt für alle, auch »Rechte«, oder keinen – entstehende Linke muß anti-imperialistisch sein, muß den US-Amerikanern das Herrenvolksrecht bestreiten und für die Gleichheit aller Völker eintreten. Im Gegensatz zur Rechten tut sie das aber, indem sie sich an die Besitzlosen aller Völker zwecks Zusammenschluß wendet, nicht an die kolonisierten Völker pauschal (auch, so utopisch das noch klingt, eines Tages sogar diejenigen des US-Herrenvolkes, das im Erfolgsfalle aufhören würde, Herrenvolk zu sein und nur am gemeinsamen Wohlstand einer von zur Selbstständigkeit erzogenen Völkern regierten und nicht übervölkerten Welt seinen gerechten Anteil fordern könnte – das gefällt den Bossen nicht und geht daher nicht ohne Aufstand, ist aber sogar für arme Amerikaner ein lohnendes Fernziel). Die »Neue Rechte« ist im Gegensatz zur alten völlig ungefährlich (außer für Kolonialisten), weil sie nicht die Unterstützung des Kapitals (und seiner Propagandisten und Büttel, also Presse und Justiz) hat; sie kann aber als Test und Rammbock zur Wiederherstellung der Meinungsfreiheit genutzt werden, ist auch der Prüfstein dafür, ohne die Elend und materielle Ausplünderung nicht verhindert werden können. Läßt man die – völlig ungefährliche, da vom Staat unfair gejagte und verbellte – Rechte in Fairneß und Frieden reden, dann kann eine echte Linke in der Gegenargumentation sich überhaupt erst profilieren und erkennbar werden, eine falsche freilich verdientermaßen gegen sie abschiffen (deshalb wünscht diese ja auch deren Unterdrückung, fördert fanatisch Unfairneß). Gegen eine echte Linke schifft sie dann freilich auch ab, und wenn Ihr sie beim Unterdrücken der Meinungsfreiheit gewähren laßt, kriegt Ihr zur Belohnung eben Hartz und Elend.
Nur in Freiheit kann die »Globalisierung«, d.h. das Lebensniveau weltweit jener Länder, die im 19. Jahrhundert keine starke Arbeiterbewegung haben konnten, also weltweites Drittweltniveau, abgewehrt werden, »Meinungsfreiheit oder Hartz!« ist leider die realistischste aller Devisen. Solange Ihr den Tätern von Hartz (oder ihren neugeschminkten Verdoppelungen) das Wort gebt und der Rechtsopposition entzieht, kriegt Ihr, was der willige Knecht vom Herrn verdient: Maulhalten und Elend, Hartz und Drittweltniveau für alle, zugunsten der
reichsten Weltherrscher.
Wenn es Euch nicht gefällt, daß nur die Rechtsopposition die einzige ernste Alternative bietet, dann macht Euch doch mal mit der einzigen ernsten Linksopposition vertraut (oder kennt jemand eine genauso ernste, die zugleich vernünftig ist?!?). Unser Emblem gibt den ersten Einstieg, aber es ist nicht schlecht, keine Zeit zu verlieren, sich mit unseren Schriften vertraut zu machen. Sie sind alle erhältlich, wie viel auch am Gängelband von Staat und Ladenketten gelogen werden mag.
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Postfach 254, 79002 Freiburg
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