Bunte Liste Freiburg
Bund gegen Anpassung

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18.04.2007

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Zur Scientologenhetze

Besser als die Juden bis zur »Reichskristallnacht« wurden die Scientologen in Ratzingers Geburtsland keineswegs behandelt: Enteignung, Entlassung, kauft nicht bei... alles schon einmal dagewesen. Aber es gibt einen Unterschied: Deutschland ist kein souveräner Staat mehr, und einige Scientologen (z.B. John Travolta) sind Amerikaner. Deswegen hat der Europäische Gerichtshof, was knurrend sogar Ratzingerland fressen muß, den Scientologen den Status der Religionsgemeinschaft feierlich zuerkannt (AZ. 18147/02). Mal sehen, wie lange Ratzingerland (= das EU-Land mit dem ewigen »Solidaritätsbeitrag« für den 1. US-Golfkrieg) seine bislang lückenlose Pressesperre einschließlich aller von ihr kontrollierter Internetseiten über diesen Vorgang – verdammt menschenunwürdig, wah!? – noch durchhält. Am 15.04.2007 hielt sie jedenfalls noch vorzüglich. Also muß auch dieser Scheinstaat, so gerne er dem Papst (und den brauchbaren Moslems, die Atatürks Reformen kaputtmachen wollen) jede Konkurrenz vom Leibe halten will, an dieser Stelle ärgerlicherweise etwas Kreide fressen.
    Um Mißverständnisse zu vermeiden: wir halten von Religionen aller Art gar nichts. Kinderbeschneidungen sollte man verbieten (sich selbst verstümmeln oder töten sollte jeder mündige Mensch dagegen dürfen, es geht uns nichts an), und wir glauben keineswegs, daß Herr Ratzinger vor einer Weile unfehlbar wurde oder Ron Hubbard längere Zeit im Weltraum verbrachte (Ron Hubbard ist der Stifter der Scientologen, sozusagen ihr Paulus, und er soll nach Ansicht seiner Anhänger Millionen Jahre alt geworden sein). Aber wenn es Religionen gibt, dann soll es möglichst viele davon geben; ihre Konkurrenz erleichtert die Vernunft, und deshalb wünscht das Kartell der Hitlerkonkordatskirchen sich das Monopol. Hitler ging, sein Konkordat blieb (im Gegensatz zu allen seinen sonstigen Verträgen!), und die Kirchensteuer sowie die Sektenhetze durch Staatsorgane sind mindestens indirekte Folgen davon. Darum ist unser Staat mit seiner ganzen Presse intolerant, jeder Vernunftwillige dagegen tolerant; Friede den Sekten, Krieg den privilegierten Kartellreligionen! (Denn Sekten finanzieren sich selbst und können keine Gesetze für ihre Extrawürste ernötigen, Kartellreligionen aber ziehen uns durch den Staat des weitergeltenden Hitlerkonkordats Milliarden aus der Tasche, als wenn die Kolonialkriege der USA, die wir bezahlen dürfen, nicht schon teuer genug wären, von tausend Parasiten à la Joschka ganz zu schweigen).
    Für diesen Einsatz für religiöse Toleranz (im Sinne von GG Art. 3, Abs. 3 – schon wieder vergessen?!) sollen wir nach der Staats- und Pressepropaganda selber Scientologen (oder Sannyassins, Universalisten usw. – auch im Mittelalter konnte jemand für mehrere einander ausschließende Ketzereien verbrannt werden, Logik und Gewalt sind nun einmal wesenhafte Todfeinde) sein – genauso wie jemand, der die Hexenjustiz angriff (z.B. der äußerst achtbare und verdienstvolle Jesuit Graf Spee), selber schnell der Hexerei bezichtigt wurde. Wollen wir diesen Unsinn nicht auf dem stinkenden und seit einer Weile (spätestens seit den Kolonialeinsätzen unserer Armee) auch blutigen Boden der fdGO lassen und dort vergraben, wo er am tiefsten ist?!
    So wenig wir von Religionen halten, so sehr und noch mehr ekelt uns religiöse Intoleranz. Wer glauben will, Ron Hubbard sei durch den Weltraum gereist, soll das ebenso ohne persönliche Nachteile glauben dürfen wie die Behauptung des hl. Lukas, Jesus sei ohne männliche Geschlechtszellen erzeugt worden und, obwohl dann ja ein Marienklon in der Art mancher Blattläuse, dennoch ein Männchen geworden. All das geht den Staat (oder die Stadtverwaltung) nichts an und darf keine müde Mark Steuergelder verschlingen, weder zur Hetze gegen die einen noch zur Privilegierung der anderen.
    Ein Staatsmensch tönte kürzlich, einem Scientologen gleiche Rechte (z.B. Rederecht) wie anderen gewähren, hieße »die Menschenwürde« verletzen. Nicht anders hätte ein Gauleiter tönen können, Bücher jüdischer Autoren auf dem Markt zu lassen, hieße die Menschenwürde der (christlichen) Deutschen und deren unschuldiger Kinder verletzen, die so ein Buch ohne Vorkoster mit Mundgeruch in die Finger kriegen könnten. Wie unsäglich ekelhaft ist das, wie verachtenswert die dazugehörigen steuergeldfressenden Galionsfiguren! Darum spielte sich kürzlich im Freiburger Audimax eine solche Orgie der Unfairness gegen die Scientologen ab, daß wir uns dort nicht meldeten, um jedem die Möglichkeit zu geben, sich vor den Regierungs- und Presselakaien ausreichend zu ekeln. (Ein Volk mit Selbstachtung wünscht Fairness, auch gegen die Träger anderer Meinungen als seiner eigenen; nur so behält es ja das moralische Recht, diese auch für seine zu verlangen, mit der Folge, dadurch, wenn im Recht, in der somit freien Debatte zu siegen).

Wer weiter denkt, fragt sich natürlich, ob die Sektenhetze und -verfolgung ausschließlich den Sinn hat, Konkurrenz für die mit dem Staat verfilzten Säuglingskirchen (womit die Art ihrer Mitgliederrekrutierung gemeint ist) zu erdrosseln. Es kommt mit Sicherheit ein weiterer Grund dazu: So abwegig die Grundgedanken der meisten Sekten auf dem Hintergrund der Vernunft sein mögen – schlimmer als die Lehren der Säuglingsreligionen, vor allem aber der Fernseh- und Pressepropaganda sind sie nicht, von den auch nur im Himmel, das heißt der Phantasie befindlichen Brutkastenbabys des Scheichs von Kuwait, deren bethlehemitischen Kindermord die Tochter eines seiner Kollegen als freilich einzige Zeugin gesehen haben wollte, den ebensowenig existenten Massenvergewaltigungen durch böse Serben bis hin zu den jahrzehntelang versteckten irakischen und nicht etwa US-amerikanischen »Massenvernichtungswaffen«, die so eiskalt erfunden waren wie die falscheste mittelalterliche Reliquie, aber den einzigen Vorwand für den amerikanischen Kolonialüberfall auf den Irak abgaben. Kein Staat hat es gern, wenn die inbrünstige Glaubensbereitschaft, die zum Fressen seiner Propaganda in mindestens ebenso rauhen Mengen benötigt wird wie für die Dogmen jeder Säuglingskirche, jeden Hexen- oder Rassenwahn, in freiwilligen Zusammenschlüssen außerhalb der Reichweite seiner Glotzen und Schweinerüssel für Eigenbau-Phantasien schon verbraucht wird und dann auf einmal beim Zeitungslesen oder Glotzenhocken fehlt. Diese Freiwilligkeit des Zusammenschlusses ist das Gute an allen Sekten, deren Mitglieder natürlich ohne jeden Sondernachteil, ohne jede Staatsparteilichkeit die für alle geltenden Gesetze genauso zu beachten haben wie der stärker gleichgeschaltete bzw. vereinzelte Rest, und sie ist wohl der Hauptgrund für die zentral gelenkte Hetze gegen sie, welche nichtsdestoweniger ohne die lange Wühlarbeit konkordatsprivilegierter Bischöfe hinter den Kulissen nicht angefangen hätte und zunächst auch nur eine Gefälligkeit gegen diese darstellte – wer die Scheußlichkeit von Anfang an verfolgt hat, wird sich noch gut erinnern.

Wir wollen auf den ekelhaften Gegenstand nicht mehr weiter eingehen – unsere Forderungen sind klar:

  • Beachtung des inzwischen so vollgekackten Grundgesetzes – besonders Artikel 3, Abs. 3 sowie Artikel 5!
  • Gleiche Rechte für Sekten wie für die Nutznießer des Hitlerkonkordats (und Schluß mit diesem!)!
  • Kein Geld für große Religionen, kein Geld für Hetze gegen kleine!
Dann kriegt auch die Vernunft wieder eine Chance zum Nutzen (fast) aller. (Denn es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, daß ganz wenige – vor allem US-Amerikaner – fast alles besitzen, der Rest fast nichts).


V.i.S.d.P.: Bund gegen Anpassung, C. Müller, Postfach 254, 79002 Freiburg
Spendenkonto: Postgiroamt Karlsruhe, BLZ 660 100 75, Konto 186 435-758
(Bunte Liste; bitte ohne weitere Zusätze)



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