Bund gegen Anpassung
18.03.2003
His Excellency Olusegun Obasanjo,
President of the Republic, The Presidency,
Federal Secretariat, Phase II,
Shehu Shagari Way
Abuja, NIGERIA
Fax: + 234 9 2341010
Emails: admin@nopa.net, ssa@nopa.net, public@nopa.net
His Excellency Kanu Godwin Agabi,
Minister of Justice
New Federal Secretariat complex
Shehu Shagari Way
Abuja, NIGERIA
Fax: + 234 9 523 52 08
Minister Alhaji Abdullahi Ibrahim
Attorney General
New Federal Secretariat Building
10th Floor Federal Secretariat Block 1, Wing 1-B Shehu Shagari Way
Abuja, NIGERIA
c/o Ministry of Foreign Affairs
Fax: + 234 9 523 0394 / 0210
Freiburg, den 18. März 2003
Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrter Herr Justizminister und Herr Generalstaatsanwalt,
entsetzt hat uns das skandalöse Todesurteil gegen Frau Amina Lawal wegen »Ehebruchs«, über das am 25. März vor einem höheren Schariagericht im Bundesstaat Katsina neu verhandelt und das im Fall seiner Bestätigung Anfang nächsten Jahres durch Steinigung von Frau Lawal vollstreckt werden soll. Wir wenden uns an Sie und Ihren Justizminister mit der dringenden Aufforderung, diesem barbarischen Prozeß sofort Einhalt zu gebieten und überdies Frau Lawal Wiedergutmachung erfahren zu lassen.
Bereits 12 der 36 Bundesstaaten Nigerias sind mit der Scharia islamisiert worden. Dafür wurden Tausende von Bürgern umgebracht. Ihre demokratische Verfassung wurde mit Einführung einer islamistischen Staatsreligion gebrochen und wird tagtäglich von immer dreister agierenden Gouverneuren in den nördlichen Bundesstaaten unter dem Schutzschild des Islams mit Füßen getreten.
Laut Verfassung ist Ihre Regierung verpflichtet, sicherzustellen, daß die Trennung von Staat und Religion strikt eingehalten wird, elementare Grundrechte geschützt werden und die Menschenwürde respektiert wird. Die neue »Recht«sprechung, die in 12 Bundesstaaten Nigerias auf der Grundlage der Scharia eingeführt wurde, sieht dort grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafen wie Auspeitschungen und Zwangsamputationen sowie die Todesstrafe wegen Ehebruchs vor. Wir fordern Sie auf, sicherzustellen, daß die elementarsten Menschenrechte und die Verfassung Ihres Landes in allen Teilen Ihres Landes respektiert werden.
Mit diesem Präzedenzfall der Ausweitung und Anwendung islamischen Rechts wird das politische Gesamtsystem Nigerias durch Untergrabung der staatlichen Rechtsordnung destabilisiert und in hohem Maße die Autorität der demokratisch gewählten Zentralregierung mißachtet.
Wir werden alles nach Kräften tun, den Fall von Frau Lawal in der nationalen und internationalen Öffentlichkeit bekannt zu machen, und hoffen, daß Sie zukünftig entschiedener gegen den religiösen Terror vorgehen. Kemal Atatürk hat auf diese Weise Millionen von Türkinnen und Türken vor den scheußlichen Exzessen des religiösen Fanatismus bewahrt – bis heute.
Als Freunde der unverfälschten Menschenrechte von 1789 verbleiben wir
mit vorzüglicher Hochachtung
C. Müller
Bund gegen Anpassung
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