Günter Rössler – Zwei Ausstellungen
Im Januar diesen Jahres wäre der 2012 verstorbene Leipziger Photograph Günter Rössler 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlaß zeigt das Kunsthaus Apolda Avantgarde eine große Werkschau des Künstlers, die wir erneut wärmstens empfehlen.
Den Lesern der KETZERBRIEFE ist Günter Rössler bekannt aus Simone Reißners Rezension einer Vorgängerausstellung seinerzeit im Schloß Lichtenwalde bei Chemnitz (KB 198). Auch diese Rezension sei Interessierten an der Person und dem außergewöhnlichen Werk Rösslers noch einmal besonders empfohlen; sie ist so aktuell wie bei ihrem Erscheinen, zumal die auch diesmal von Kerstin Schlegel, Modell und spätere Ehefrau des Photographen, zusammengestellte Ausstellung das Konzept der früheren weitgehend aufgenommen hat – ergänzt um einen lohnenden Audio-Guide, in dem sich einstige Modelle Günter Rösslers zu ihren früheren Photographien in lebhaft-netten Erinnerungen äußern. Wer in heute so düsterer Zeit des feministischen Endsiegs, des MeToo-Gekreischs, des Kinderschänder- und Epstein-Wahns wenigstens für Stunden eine Labsal für Geist und Phantasie (und vielleicht eigene Erinnerung) sucht, wird sie in den großartigen Aktfotos Rösslers aus einer traurigerweise vergangenen Besseren Zeit finden:
Günter Rössler: Mode und Aktfotografie
Kunsthaus Apolda Avantgarde, Apolda, Bahnhofstraße 42
Bis 3. Mai 2026, Di-So 10-17 Uhr
Ebenfalls: Sonderausstellung Günter Rössler zum 100. Geburtstag
Deutsches Fotomuseum, Markkleeberg, Raschwitzer Straße 11-13
Bis 9. August 2026, Di-So 13-18 Uhr
"Mein Motiv ist die Freude am Akt, die Suche nach der Schönheit. Jugend, schöne Körper, natürliche Haltungen haben für mich etwas Faszinierendes. Es ist aber auch manchmal der Wunsch, sich an ein Publikum zu wenden, Emotionen zu verwirklichen..."
Günter Rössler (zit. nach dem Ausstellungskatalog "Günter Rössler: Die Genialität des Augenblicks")
Ich kann mich nicht erinnern, daß mich eine Ausstellung innerlich so bewegt, um nicht zu sagen verzaubert hat, und daß ich diese in unserer finster-bleiernen Zeit überhaupt noch erleben konnte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Sie sei den Ketzerbriefe-Lesern also wärmstens empfohlen, auch wenn die Wochenenden kurz und der Weg weit ist, Sie werden es sicherlich nicht bereuen.
Aus "Eine Ausstellungsempfehlung – In memoriam Günter Rössler" in KB 198.
Und hier das Buch zum Thema:

